Wenigstens einige Fotos

Freitag, 26.02.2016

Ich muss gestehen, dass ich zuletzt recht faul war was Fotos anbelangte, daher nur einige Schnappschüsse von Franki, Asela, meiner Nachfolgerin Mathilda und mir.

Und hier ein paar Bilder von den Victoriafällen in Sambia.

 

Hoffe es geht allen gut Zuhause :) 

LG Fabien

Wieder unterwegs

Mittwoch, 30.12.2015

Reiseroute

Meine Reiseroute ab dem 01. Januar 2016. Ich werde auf meinem alten Blog Fotos und Erlebnisse veröffentlichen, schaut mal rein, wenn Ihr Intreresse habt ;) 

Abschied und Aufbruch

Dienstag, 21.07.2015

 

 

 

So nun sitze ich hier in Dar es Salaam am Flughafen und warte auf das Boarding für meinen Heimflug. Ein Jahr ist vergangen, es kommt mir immer noch vor als wäre ich erst vor kurzem gelandet und fühle mich noch nicht fertig und bereit für die Rückkehr nach Deutschland und mein neues Zuhause schon wieder zu verlassen. Ich habe im letzten Jahr mehr erlernt als ich in Deutschland in einigen Jahren habe und würde gerne weiter das Leben hier kennen lernen und meine Kontakte vertiefen. Aber nun heißt es erstmal nach Deutschland reisen, mich sammeln, nachdenken, reflektieren und Zukunftspläne schmieden.

So eben habe ich die letzte Fahrt durch Dar es Salaam hinter mich gebracht, das letzte Mal Verkehrschaos in der Millionenstadt, der Geruch von gegrilltem Fleisch und Chipsy in der Luft, Bongoflavamusik im Radio und die kleinen Parafinlampen in den Ständen am Straßenrand. Was sich für einige sicher absolut schrecklich anhört, verbinde ich mit den besten Tagen, Erfahrungen und Begegnungen meines Lebens.

Da mir gerade nicht wirklich nach tippen ist und ich diesen Artikel gerade eher der Vollständigkeit wegen verfasse, halte ich es so kurz wie möglich und beende ihn mit diesem Zitat:

 

"You will never be completely at home again, because parts of your heart will always be elsewhere. This is the price you pay for the richness of loving and knowing people in more than one place"

 

Ich verabschiede mich mit einigen Bildern aus den letzten Tagen und sage "Auf sehr bald Tansania" 

Abschied von Dio und Alicia Die coolsten Kinder der Welt :) Abschied von Khamis Sansibar Sansibar Sansibar Sansibar Sansibar Sansibar Sansibar

Besuch von DETAF

Mittwoch, 24.06.2015

Gestern haben wir mit Robert von DETAF (Deutsch-Tansanische-Freundschaftsgesellschaft) einen Ausflug zu den von DETAF unterstützten Projekten gemacht. Eins dieser Projekte ist die von KADETFU betriebene Bembereza School. Daneben unterstützen sie auch kleinere Projekte die sich um HIV Infizierte kümmern (WAMATA) und eine lokale Baumschule in Kamachumu. Robert besucht jedes Jahr die Projekte vor Ort und schaut wie sich entwickeln, was an Unterstützung gebraucht wird und welche Feuer gelöscht werden müssen :)

Am Tilapiateich Besuch eines WAMATA Klienten in seinem Haus

Wir begannen unseren Tag bei der Baumschule, die inzwischen auch Fischteiche für eine kleine Tilapiazucht angelegt hat. Von dort aus sind wir zu 2 Familien, denen WAMATA bei der Finanzierung der Medikamente aushilft und haben uns nach deren Situation erkundigt.

Am Nachmittag sind wir schließlich zur Schule gefahren, haben mit den Lehrern geredet, mit den Schülern zusammen gegessen und eine Runde Fussball gespielt.

Beim Essen ist uns aufgefallen, dass einige Kinder warten mussten, da es nicht ausreichend Teller für alle gab. Nach kurzer Absprache entschieden wir uns am nächsten Tag in Bukoba jeweils 100 Teller und Tassen für die Schule zu kaufen. Gesagt, getan... heute sind wir mit Sancho auf den Markt und haben nach einigem Feilschen die Teller & Tassen gekauft. Der Headteacher der Schule darf somit morgen schon das Geschenk an die Schüler überreichen und zukünftig können alle Kinder gemeinsam und in Ruhe essen :)

 

Bembereza Schule (Schüler&Lehrer&Besucher) Fussball :) 100 Tassen & Teller für die Bembereza Schule

Ich vermute es handelte sich leider um den vorerst letzten Besuch an der Schule, da ich bereits in 14 Tagen Bukoba verlassen werde und meine Heimreise antrete. Aber es wird nicht allzu lange dauern, bis ich wieder zurückkomme und die Schule besuche und auch aus Deutschland werde ich weiter Unterstützer für die Waisenschule suchen :)

 

Ansosnten hier noch ein paar Fotos aus den letzten Tagen und Wochen. Ich hoffe euch geht es gut :)
LG Fabien

 

Die Nachbarskinder :)

Triple O Project

Sonntag, 31.05.2015

Heute wollte ich die Gelegenheit nutzen, um euch über mein "Triple O Project" zu informieren und dessen erfolgreichen Verlauf zu dokumentieren.

Die letzten Wochen habe ich mich mit einem sog. CO2-Kompensationsprojekt beschäftigt. Meine Entsendeorganisation artefact verfolgt ein überwiegend grünes, nachhaltiges Profil bei unseren Einsatzstellen. Jeder Freiwillige musste vor seiner Abreise 50 € CO2-Kompensationsbeitrag leisten. Dieses Geld wird eingesetzt um umweltfreundliche Projekte zu unterstützen. Solch ein Projekt habe ich angestoßen und letzte Woche umgesetzt.

Wir haben es “Triple O Project" genannt. Wir stellten der Kemondo Secondary School und der Mubembe Primary School jeweil 550 Baumsetzlinge. Die Baumsetzlinge wurden an die Schüler verteilt, sodass jedes Kind jedes Jahr einen Baum pflanzen kann (one student plants one tree in one year). Durch die Menge der Schüler pflanzten wir in kürzester Zeit 1100 Bäume. Bei der Auswahl der Bäume sollte Biodiversität gewährleistet werden. Voraussetzung für die Aufnahme als Projektschule war die Zusage, dass die Bäume Bestandsschutz genießen und nicht zu Feuerholz verarbeitet werden. Da die Schüler die Bäume auf dem Schulgelände pflanzen, haben wir uns für einen Mix aus Pinetrees und Obstbäumen entschieden. Dadurch wird den für die nächsten Jahren auch frisches Obst gewährleistet.

Dies war zwar nur ein kleiner Schritt in Richtung Umweltschutz, aber sobald die Schüler die Wichtigkeit des Themas verstehen, ist ein Grundstein gelegt, auf den man (hoffentlich meine Nachfolgerin) aufbauen kann.

Um mein Projekt etwas anschaulicher zu machen, hier noch einige Impressionen.

1). Die Baumschule in Bukoba, wo wir die Setzlinge gekauft haben.

Das Ausladen der Bäume an den Schulen. Das erste Bild ist in der Primary School, das zweite in der Secondary School aufgenommen.

Und natürlich das wichtigste am ganzen Projekt, das Pflanzen der 1100 Bäume :) ich selbst habe natürlich auch angepackt und 2 Bäumchen gepflanzt (leider kein Foto davon vorhanden)!

In den kommenden Wochen und Monaten müssen die Schüler nun auf ihren Baum aufpassen und schauen, dass er gut anwächst und gedeiht. Ich selbst werde in den nächsten 30 Tagen auch nochmal Kontrollbesuche machen um zu gewährleisten, dass sie gut anwachsen. Ab August wird dann wohl meine Nachfolgerin das Projekt übernehmen und hoffentlich noch einige weitere Bäume pflanzen!

 

Soweit zu den Neuigkeiten von mir... morgen bricht mein letzter Monat in Bukoba an und so langsam nimmt meine Heimkehr (mehr als erwünscht) Konturen an. So schreibe ich zur Zeit Bewerbungen für Kanzleien, vereinbare Vorstellungsgesprächstermine und tippe fleißig am Exposé für das Promotionsstipendium. Nebenbei schaue ich schon nach einer möglichen Wohnung im Internet.

Aber die nächsten 30 Tage werde ich nochmal alle lieben Menschen, die ich hier kennen lernen durfte, besuchen und die Tage in vollen Zügen genießen.

 

Ich hoffe euch geht es allen gut und ihr habt langsam ähnlich gutes Wetter wie wir.

Ich wünsche euch noch einen schönen Sonntag :)
Eure Fabien

Äthiopien

Mittwoch, 25.03.2015

- Ein Sparziergang -

Die Uhr zeigt 9.18 Uhr, die Sonne steht bereits hoch am Himmel über den Bergen, doch es ist noch recht kühl und windig. Heute ist der 02.07.2007 (Äthiopien hat einen eigenen Kalender mit 13 Monaten und befindet sich derzeit im Jahr 2007), ich betrete die Straße vor dem Wohnblock in Gotera, Addis Abeba. 

Am Straßenrand steht ein cremefarbener VW Käfer, eine Frau stellt eine Kaffeekanne auf einen kleinen Kohleofen. Auf der Wäscheleine wehen bunte, frisch gewaschene Kleidungsstücke. Die umliegenden Hausfassaden sind geziert von zahlreichen Satelittenschüsseln. Ich mache mich auf den Weg Richtung Hauptstraße, vorbei an einer wohlduftenden Bäckerei, einem Gemüseladen und einer Kirche. Die Bauarbeiten an der Straßenbahnlinie sind bereits im Gange. Auf der Straße herrscht ein geschäftiges Treiben. Ich biege einmal links ab, entfliehe dem Verkehrslärm und den Menschen. Die geteerte Straße wird abgelöst von Kopfsteinpflaster, die Hochhäuser des Condiminiums von Wellblechbauten. Regen, Wind und die ungnädige Sonne, auf 2355 Meter über dem Meeresspiegel, haben ihre Spuren an den Blechen hinterlassen. Das Siedlungsbild hat etwas von einem Flickenteppich, die teilweise rostigen Bleche wurden durch neue, glänzende Bleche ersetzt, andere wurden bunt bemalt oder mit Plakaten beklebt. Die mir entgegenkommenden Kühe halten das Gras am Straßenrand kurz. Über die Bleche wuchern Kapuzinerkresse und bunt blühende Sträucher. Ein tischtennisballgroßer, roter Vogel ruft seine Kollegen. Ein kleiner Junge spielt mit einem alten Reifen. Der alte, große Baum am Wegrand erregt meine Aufmerksamkeit. Aus der Ferne sieht es aus, als sei er mit bunten Gebetsfahnen geschmückt, die sich im Wind wiegen. Beim näher kommen erkenne ich, dass es sich um Plastiktüten handelt, die sich im Geäst verfangen haben. Eine Frau sitzt darunter, vor ihr liegt ein geflochtener Korb voll Linsen, die sie sorgfältig aussortiert. An ihrem rechten Bein sitzt ein junges Mädchen, das Haar geflochten, ihre großen, braunen Augen betrachten mich argwöhnisch im Vorbeigehen.

Nach einigen Minuten Sparziergang erreiche ich erneut die Hauptstraße, ein riesiger Platz breitet sich vor mir aus. Stadtbusse halten am Straßenrand, Autos stauen sich an der Kreuzung. Ich banne mir einen Weg zwischen glühenden und knisternden Motorhauben aud die andere Straßenseite. Vier Jungs sitzen auf dem Bürgersteig und reinigen die Schuhe einiger Anzugträger. Ich spaziere vorbei an Parks und Gärten, die den ehemaligen Kaisern Ruhe und Schatten spendeten. Die Ruhe der Seitenstraße wurde eingetauscht gegen den Verkehrslärm einer Millionenstadt. Die Straße wird steiler, die Häuser am Straßenrand werden zunehmend größer. Ein Polizist in blauer Uniform regelt den hektischen Verkehr. Im Schatten döst ein Mann auf Kornsäcken, ältere Männer mit Kopfbedeckung trinken einen Kaffee nach dem Gebet in der Moschee.

Die Sonne steht inzwischen im Zenit, sie brennt mir unbarmherzig auf den Kopf und erschwert mir den Anstieg. Zwischen Hochhäusern, Autos, Bussen und Menschen treibt ein junger Mann drei mit Säcken beladene Esel in den Kreisverkehr. Es scheint, als bekäme er von der Hektik nichts mit und als kennen die Esel ihr Ziel.

Das letzte Stück der steilen Straße liegt im Schatten, rechts und links sitzen Frauen. Sie bieten mir Kohl, Mangos, Tomaten sowie Gewürze an. Eine Frau türmt liebevoll ihre Tomaten auf, andere trinken dampfenden Tee und unterhalten sich. Oben angelangt liegt mir die halbe Stadt zu Füßen. Rechts und links stehen unfertige Hochhäuser, deren Holzgerüste sie noch zu stützen scheinen. An meinem Bein sitzt ein sich kratzender Hund, man kann seine Flöhe regelrecht springen sehen. Die Stadt pulsiert, die Sonne spiegelt sich in den unzähligen Autodächern, die sich ihren Weg durch die Stadt bannnen.

Ich gehe einige Meter die Straße entlang und die Verkehrsgeräusche verlieren sich im Geschrei der Marktleute. Körbeweise Limetten, Kartoffeln und Zwiebeln säumen meinen Weg. Muskulöse Männer stapeln in der prallen Sonne Kolzkisten auf einen Lastwagen. Ein junger Mann wäscht sich sein dunkles, lockiges Haar mit einem Stück Kernseife und einer Wasserflasche.

Die Straße führt letztendlich zum Mercato, ein großes Marktviertel im Westen der Stadt. Die Gassen werden schmaler, ich durchquere Straßen voll gebrauchter Fässer und Eimer, an der Ecke reinigt jemand die aufgetürmten alten, farbverklebten Pinsel. Nach einer scharfen Linkskurve stehe ich im Metallviertel. Das Gehämmer auf dem verbogenen Stahl dringt an meine Ohren. Ein Mann, beladen mit noch glühenden Eisenstangen, geht dicht an mir vorüber. Die Hitze des Metalls ist an meiner Wange zu spüren. Ich überquere einen dreckigen, übel riechenden Fluss, die Metallbrücke ächzt unter jedem meiner Schritte. Das eintönige schwarzgrau des Metallviertels wird abgelöst von der Farbenvielfalt in der Stoffstraße. Drei Männer teilen sich ein Bäjainet und laden mich ein, mit ihnen zu speisen. Nach meiner kurzen Rast ziehe ich weiter. Vorbei an zwei Männern, die auf einem Stängel kauend, auf ihren Stoffen liegen und sich wild gestikulierend unterhalten. Vor dem Geschäft sitzt eine zottelige, rothaarige Katze. Ich bücke mich nach ihr, sie wirft sich augenblicklich auf den Rücken und offenbart mir entwaffnend ihren weichen Bauch. Nach minutenlangen Streicheln, reiße ich mich schweren Herzens los und schlendere weiter durch die Gassen. Ich trinke Tee mit einer Gemüseverkäuferin, die mich an Knoblauch und Berbere riechen lässt. Im Vorübergehen tätschele ich dem in der Sonne dösenden Esel und genieße die inzwischen milderen Strahlen der sich neigenden Sonne.

Die Gassen werden zunehmend breiter. Eselskarren werden von Autos und Kleinbussen abgelöst. An der Ecke frittiert eine Frau mit leuchtend türkisfarbenem Kopftuch Sambusa. Ein Kleinbus fährt auf meiner Höhe, ein junger Mann schiebt seinen Oberkörper aus dem Fenster und schreit "Gotera". Ich mache mich bemerkbar, die Seitentür geht auf, ich springe in den langsam rollenden Bus und gebe dem Conductor 2 Birr. Die Schiebetür schließt wieder, die Geräusche der Straße verebben. Ich fahre durch die Straßen dieser mannigfaltigen Stadt, kühler Wind bläst durch das Fenster neben dem Fahrer.

Ich kehre zurück zu den Häusern des Condiminiums, zurück zum cremefarbenen VW Käfer und der abgekühlten Kaffeekanne im Hausflur. Die Sonne verschwindet über den umliegenden Bergen, das Treppenhaus ist erfüllt von Essensgerüchen und die Lichter der Stadt kämpfen gegen die einbrechende Dunkelheit.

 

 

6 Monate Tansania und Zwischenseminar in Ruanda

Donnerstag, 05.02.2015

6 Monate sind schon vergangen, seit ich mich auf den Weg gemacht habe und anlässlich dieses Meilensteins, sieht das weltwärts Programm ein Zwischenseminar für alle Teilnehmer vor.

Für uns hieß es also am 31. Januar Koffer packen und auf zum Grenzübergang in Rusumo (Ruanda). Der erste Bus hatte 20 km vor Lusahunga (unserem Aussteigeort) eine größere Panne, sodass wir erstmal auf der Landstraße festsaßen. Nach einigem Warten kam ein Taxi, dass uns die letzten Kilometer nach Lusahunga transportierte. Von dort aus ging es weiter nach Benako, dem letzten Ort vor der Grenze. Von dort aus wiederum mit dem Taxi bis zum Grenzposten und ausstempeln in Tansania und einstempeln in Ruanda. Nach einem kurzen Quiz des Grenzbeamten zum Thema Kenntnisse über Ruanda ("Wer ist unser Präsident und was ist unsere Hauptstadt"... schweißtreibende Fragen, insbesondere wenn einem Paul Kagame von der Wand in Posterform entgegenlächelt :)) durften wir die Grenze passieren.

Unser Bus nach Kigali brauchte länger als gedacht, sodass wir letztendlich in Kigali die Nacht verbrachten und erst am Morgen weiter nach Kibuye konnten.

Wir wurden bereits mehrfach darauf aufmerksam gemacht, dass Kigali anders sei als die anderen Städte Ostafrikas... aber das hatten wir nicht erwartet... Straßenbeleuchtung, kein Müll, alles tip top in Schuss, schlaglochfreie Straßen und Hochhäuser wie in FFM. Am verwirrendsten für mich... Rechtsverkehr. Man sollte meinen 26 Jahre Deutschland hätten ein unerschütterliches Fundament gebaut bzgl. der Frage auf welcher Seite der Straße man fährt. Nein, 6 Monate Tansania und somit Linksverkehr waren sonderbar prägend, sodass ich mehrfach auf die Straße lief und in die falsche Richtung sah...

Nach erneuten 3 Stunden Fahrt erreichten wir -unseren Seminarort- Kibuye im Westen Ruandas. Wahrscheinlich haben Ruanda einige im Kopf mit "dem Land der 1000 Hügel" verknüpft, man kann es niemandem übel nehmen, denn dieses Bild wurde in Kibuye bestätigt.

Kibuye liegt am Kivusee, den wir natürlich zum Baden nutzten (für alle die jetzt einen Bilharzioseanfall bekommen, die Wahrscheinlichkeit dass ich inzwischen Bilharziose habe ist nach Viktoriasee, Nil und Kivusee ohnehin sehr hoch --> werde mich in 3 Wochen mal testen lassen).

Kivusee Aussicht von unseren Zimmern Kivusee Sonnenaufgang am Kivusee Die Seminargruppe

Das Seminar wird veranstaltet, um die weltwärtsler zum Reflektieren anzuhalten, neuen Input zu geben und die Möglichkeit zu haben sich mit anderen auszutauschen. In unserem Fall waren nicht nur wir solivols anwesend, sondern auch 6 junge Menschen von einer anderen Entsendeorganisation. So war es eine bunte Gruppe aus Tansania, Kenia, Uganda und Ruanda. 

Da wir uns als Seminarort Ruanda wünschten, wollten wir natürlich mehr über Ruanda's Geschichte erfahren. Am 07. April 1994 begann in Ruanda ein 100-tägiger Genozid an der Tutsiminderheit, wodurch zwischen 800000 und 1 Million Menschen verstarben. Im Rahmen des Seminars näherten wir uns dem Thema, machten eine Exkursion nach Nyamata und Ntarama, zwei Kirchen in der Nähe Kigalis, die 1994 Schauplatz des Genozids waren. Dort sind insgesamt etwa 25000 schutzsuchende Menschen getötet worden. Heute handelt es sich um 2 Gedenkstätten. In beiden Kirchen finden sich noch Kleidungsstücke, Gebeinhäuser, persönliche Gegenstände der Betroffenen sowie Ausstellungsstücke zu den Waffen der Mörder. Zusätzlich zu den Exkursionen schauten wir Filme und hatten (dank Basti's Literaturfundus) Bücher und Zeitschriften zu diesem Thema vor Ort. Auch die Berichterstattung eines ruandischen Seminargastes, der zudem Zeitzeuge ist, war äußerst interessant. 

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Ich dachte mir, dass ich meinen Artikel von letzter Woche verändern sollte und vllt. eine Einführung tippen sollte, da das Thema leider nicht jedem bekannt ist. Also fange ich mal etwas weiter vorne an und erkläre wie es zu diesem Genozid kam…

Ruanda wurde in der Kolonialzeit zuerst von den Deutschen, dann von den Belgiern kolonisiert. Damals gab es in Ruanda im Wesentlichen drei Ethnien. Die Twa (etwa 1% der Bevölkerung) sowie die beiden Hauptethnien der Hutu und der Tutsi. Die Unterscheidung zwischen den Menschen, bezog sich anfangs auf deren Wohlstand und Ansehen (maßgeblich war der Besitz von Land und Kühen). Mit zunehmendem Wohlstand konnte man also von einem Hutu (weniger als 10 Kühe) zu einem Tutsi (ab 10 Kühen und entsprechendem Land) werden. Hierbei handelte es sich um ein flexibles System, das in beide Richtungen funktionierte. Von den Belgiern wurde dieses flexible System indes zementiert und durch körperliche “Merkmale” der Klassen pervertiert. Tutsi waren nach der Vorstellung der Belgier sehr große, schlanke Menschen mit schmalen Nasen. Hutu hingegen waren demnach eher klein und gedrungen und hatten breite, große Nasen. Durch die Bevorzugung von Tutsis (aufgrund optischer Gegebenheiten und dem Glaube diese seien viel intelligenter) entstand ein massiver Konflikt unter den Ruandern. Diese rassistischen Unterscheidungen führten zum Völkermord von 1994.

In den kommenden Jahrzehnten kam es immer wieder zu Gewalttaten gegen Tutsis. Eine maßgebliche Rolle spielte dabei die propagandistische Volksverhetzung gegen diese Gruppe.

Nach Ruandas Unabhängigkeit wurde das Land vorwiegend von Politikern regiert, die der Hutuethnie angehörten. Präsident Juvenal Habyarimana regierte von 1973 bis 1994 das Land. Unter ihm formten sich die sog. Interahamwe Milizen. Diese waren 1994 elementar an den unzähligen Morden an der Tutsiethnie beteiligt. Mit dem Laufe der Zeit nahmen sowohl die Propagandahetze und die Massaker an Tutsi zu. Im Rahmen der Propaganda spielten Radio und Zeitung eine wichtige Rolle. So wurde immer wieder zur Verfolgung der Tutsi aufgerufen und Hutu wurden angehalten, keine Beziehung (ob geschäftlich oder privat) mit Tutsis einzugehen. Die Tutsi wurden damals in den Medien als Verräter, Lügner und Kakerlaken bezeichnet. Folge dieser Hetze war, dass viele Tutsi das Land verließen und in den Nachbarländern Uganda, Kongo, Burundi und Tansania Schutz suchten. Weitere Folge dieser Hetze war, dass sich eine Rebellenbewegung unter der Führung von Paul Kagame (heutiger Präsident Ruandas) formte.

Dass der Völkermord längst vorbereitet wurde, stand aufgrund der systematischen Propaganda gegen Tutsi, der Ausbildung der Milizen und dem Import von Waffen und Macheten außer Zweifel.

Am Abend des 6. April 1994 wurde das Flugzeug von Präsident Juvenal Habyarimana im Landeanflug auf Kigali abgeschossen. Dies war der Auslöser für die Armee und die Milizen, mit dem Morden der Tutsi anzufangen. Einen für den Abschuss Verantwortlichen konnte man bis heute nicht ausmachen. In Frage kommen könnte grs. jeder, jedoch stehen sowohl der damalige Rebellenführer Paul Kagame sowie radikale Hutu, die einen Vorwand für das massenhafte Morden suchten, unter Verdacht.

In den folgenden vier Monate starben bis zu einer Millionen Menschen. Darunter vorwiegend Tutsi, aber moderate Hutu, die Tutsi halfen oder sich weigerten, an den Morden teilzunehmen. Ferner wurden Menschen mit Macheten verstümmelten, Vergewaltigungen der grausamsten Sorte wurden als Folterinstrument eingesetzt, häufig ausgeführt von HIV positiven Männern. Die Waffen die im Rahmen des Genozids eingesetzt wurden, waren Knüppel, Messer und Macheten. An Brutalität waren die Geschehnisse kaum zu überbieten. Familienmitglieder wurden vor ihren Geliebten gefoltert, verstümmelt, vergewaltigt und letztendlich ermordet. Kleinkinder wurden gegen Wände geschleudert, um sie qualvoll sterben zu lassen. Es kam des Weiteren auch zu Verbrennungen bei lebendigem Leibe. Freunde töteten Nachbarn und Bekannte. Die unvorstellbare Gewalt wurde selbst in Kirchen ausgelebt. Dort hatten Menschen Zuflucht gesucht und gehofft, an einem heiligen Ort verschont zu bleiben.

Neben diesen Grausamkeiten, darf man nicht die Rolle und somit das absolute Versagen der Internationalen Gemeinschaft aus den Augen verlieren. Die im Land stationierten UN Soldaten schritten mangels Mandat nicht ein. Die gut ausgerüsteten UN Soldat wären in der Lage gewesen den Verbrechen ein Ende zu bereiten bzw. sie mindestens massiv zu beschränken. Doch trotz vorhandener Berichterstattungen, blieb ein solches Mandat aus. Frankreich, die ersten die Truppen nach Ruanda entsandten, taten dies, um einen “Korridor der Sicherheit” zu schaffen. Dieser Korridor wurde später indes zum Fluchtweg für die Mörder. Diese konnten hierdurch in den Kongo flüchten, wo viele heute noch leben.

Der Völkermord endete durch eine Offensive der Rebellen unter Paul Kagame.

Innerhalb von 100 Tagen wurden, vor den Augen der Internationelen Gemeinschaft, etwa 1 Million Menschen grausam abgeschlachtet, hunderttausende Frauen vergewaltigt und gefoltert, Menschen verstümmelt und hunderttausende Kinder zu Waisen.

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Mit einigen Mitfreiwilligen habe ich am Samstag den Palast des damaligen Präsidenten Juvenal Habyarimana. Die abgeschossene Maschine stürzte im Landeanflug in seinen eigenen Garten, sodass sein ehemaliges Haus heute ebenfalls als Gedenkstätte und Museum dient. Am Montag haben wir noch das Kigali Genocide Memorial besucht, einer Ausstellung die sich dem Genozid, seinen Hintergründen und den Versuchen der Aufarbeitung widmet.

Die restliche Zeit des WE verbrachten wir mit dem Besuch des Naturhistorischen Museums und mit Sparziergängen in Kigali. Danke an Mathias und Christina, unseren sehr netten Gastgebern, die uns über das WE bei sich aufnahmen!

Kigali Kigali Tower Kigali Kigali Kigali Kigali

Am Dienstag traten wir gemeinsam die Heimreise nach Tansania an und jetzt hat mich Bukoba und auch das Office wieder.

 

Ich wünsche euch eine schöne Restwoche und ein noch schöneres Wochenende. 

Soviel erstmal von mir, freue mich von euch zu hören!

Fabien

PS: Wer gerne mehr zu diesem Thema erfahren möchte, Fragen hat,  Buchtitel oder Filme genannt bekommen möchte, kann sich jederzeit sehr gerne bei mir melden.

Safari

Freitag, 30.01.2015

Wie bereits angekündigt, reiche ich nun mal die Eindrücke und Bilder unserer Safari nach.

 

Wir haben vom 25.01 bis zum 27.01 in Tansania 3 Tage Safari in 3 verschiedenen Gebieten bzw. Parks gemacht.

Tag 1:

Den ersten Tag verbrachten wir im Tarangire NP. Der Tarangire NP liegt in der Nähe von Arusha und wird auch Park der Riesen genannt, da eine nicht unerhebliche Zahl von Elefanten dort lebt. Wohin man schaut -ob nah oder fern- sieht man die Dickhäuter. Bei ganz alltäglichen Dingen wie Streiterein um Elefantenkühe, Elefantenkälber die noch sehr starksige Gehversuche unternahmen, ein Trauerzug und wie die Riesen ganz unbeeindruckt vor uns die Straße überqueren.

Aber im Tarangire gibt es nicht nur Elefanten. Auch Giraffen, Zebras, Paviane, Geparden und wunderschöne Vögel und Mangusten haben unseren Weg gekreuzt. Geparden ein Trauerzug von Elefanten, das kleine zwischen den Beinen der Kuh hat leider nicht überlebt Mangusten Geparden am Morgen bei der Jagd Maasai Giraffen Impala Baobab 2 junge Bullen die sich streiten  Vögel die im Sand badeten Wasserbock Elefanten die ein Bad genossen

Nach einer Nacht im Zelt in der Nähe des Parks und nächtlichem Besuch einer Wasserbüffelherde, ging es am nächsten Morgen nochmals in den Park um die Tiere in den frühen Morgenstunden zu erleben.

Tag 2:

Nach einem ausgiebigen späten Frühstück von unserem Koch Paolo ging es weiter mit dem Auto zum Lake Manyara NP. Dieser unterscheidet sich erheblich vom ersten Park in Bezug auf die Vegetation. Tropische Bäume, die eine Regenwaldatmosphäre aufkommen liesen, wachsen in alle Richtungen. Direkt am Anfang des Parks wurden wir von Äffchen begrüßt. Grüne Meerkatzen, Paviane und Diademmeerkatzen saßen überall in den Bäumen und auf dem Weg. Aber auch hier gab es noch mehr zu sehen. Wasserbüffel, Gnus, Zebras, einen Leoparden, Hippos und wieder die bunte Vogelwelt.

Einigen Tieren setzte die Hitze ebenfalls zu, sodass sie sich für eine kurze Abkühlung entschieden :)

Pavianherde im Lake Manyara NP Paviane beim Baden

Diademmeerkatze Pavian Nilvaran  Wasserbüffel und noch mehr tobende Äffchen Kronenkranich (Wappenvogel von Uganda) Gnus & Hippos unser Safarijeep unser Großraumzelt :)

Nach einer erneuten Nacht im Zelt -dieses Mal ohne Tierbesuch- ging es am dritten Tag weiter zum Ngorongo Krater.

Tag 3:

Nach etwa 2 Stunden Fahrt zum Krater erreichten wir den Aussichtspunkt. Von dort aus hat man die ganze Weite des Kraters vor sich liegen. Der Krater ist etwa 600 m tief und wird umringt von immens steilen Kraterwänden. Diese Abhänge werden nicht von allen Tieren gemeistert, sodass Giraffen oder Elefantenkühe mit Kälbern nicht im Krater zu finden sind.

Im Krater findet man riesige Herden von Zebras, Gnus und Büffeln. Wir sahen in der Ferne Nashörner umherziehen. Der Serval und einige Schakale sowie Hyänen liefen uns vor die Linse.

Gnuherde auf dem Weg zum Wasserloch Hyäne vor einer Gnuherde Warzenschweine  Hornbill Gnus Zebras Schakal Mutti am Rastplatz Hyänen beim Faulenzen Hippos beim Baden Zebrafohlen Hyäne

Wir hatten unglaubliches Glück mit den Tieren die wir gesehen haben, nur die Löwen machten uns einen Strich durch die Rechnung und zeigten sich nicht. Aber so bleibt noch ein wenig Luft nach oben... vielleicht klappt es ein anderes Mal mit den Big Five :)

Nach 3 sehr ereignisreichen und spannenden Tagen ging es wieder zurück nach Arusha und von dort aus am 28.01. zum Kilimandscharo Airport. Die letzten 3 Tagen mit Mutti in Tansania waren nicht nur ein tolles Erlebnis, ich glaube uns wird dieser Ausflug für immer in Erinnerung bleiben. An dieser Stelle nochmal ein herzliches Dankeschön an meine Mutti für das tolle Examensgeschenk! ♥

Da Mutti's Flug erst gegen 10.30 Uhr ging und die Fernbusse bereits um 6 Uhr fahren, hatte ich noch einige Zeit in Arusha, sodass ich mich auf zum Snakepark machte. 

Dort durfte ich Bekannschaft mit Chihauhau machen, einem Pavian der dort lebt. Dieser ist zur Zeit alleine, da der andere Affe eine ansteckende Krankheit hatte. Sein Mangel an Kontakt, hat er dann versucht zu kompensieren, indem er einfach mich lauste :)

Mein Freund Chihuahua (keine Ahnung wie sie auf den Namen kamen)

 

Ich hoffe euch gefallen die Bilder und falls ihr noch mehr sehen möchtet, müsst ihr warten bis ich wieder Zuhause bin :)

Ganz liebe Grüße aus dem heißen Tansania,

Fabien

Besuch aus der Heimat

Dienstag, 20.01.2015

Wie ich bereits erwähnt habe, hat sich meine Mutti Anfang Januar aufgemacht, um mich hier in Tansania besuchen zu kommen. Da Bukoba im Nordwesten Tansanias liegt, musste ich erstmal in einer 17h Busfahrt das halbe Land durchqueren, um in die Nähe des Kilimandscharo Airports zu kommen. Zusammen mit Daniel machte ich mich am 06. Januar also um 6 Uhr morgen auf den Weg. Die Busfahrt war alles andere als langweilig. Da wir die Plätze hinter dem Fahrer reserviert hatten, konnten wir die ganze Zeit die Geschehnisse auf der Straße beobachten. Wir rauschten vorbei an Fahrrädern beladen mit mehreren Bananenstauden, an Eselskarren und Rinderherden, die noch schnell die Straße überquerten. Gegen Mittag wurden wir alle im Bus plötzlich etwas unruhig, unser Busfahrer setzte gerade (bei etwa 100 km/h) zum überholen eines Lasters und Reisebusses an, als der Laster ebenfalls auf die rechte Spur zog (Reminder: in TZ fährt man links :)). So fuhren dann 3 -nicht gerade kleine bzw. schmale- Fahrzeuge auf den 2 Spuren, die rechts und links von Betonpfosten gesäumt waren. Als den Insassen des Busses klar wurde wie knapp die Situation war, wurde es laut. Gefühlt jeder Fahrgast gab seinen Emotionen freien Lauf und brüllte den Fahrer lautstark an gefälligst ordentlich und langsam zu fahren. Diejenigen, die ihren Unmut geäußert hatten, gingen dazu über zu beten und Gott zu danken. Nach diesem blutdruckerhöhendem Ereignis ging die Fahrt recht entspannt weiter, bis wir gegen 21.30 an einem angrenzenden Nationalpark vorbei fuhren und der Fahrer mit seinem Gehupe eine Herde Zebras von der Fahrbahn scheuchte. Um 23.00 Uhr kamen wir heil in Arusha an und wir suchten uns schnell noch ein Zimmer für die Nacht.

Nach erneut recht wenig Stunden Schlaf, machte ich mich um 6 Uhr auf Richtung KIA um Mutti  abzuholen. Etwas neidisch auf den ausschlafenden Daniel zog ich mir Schal und Jacke an (ja es ist hier ohne Sonne doch recht frisch, insbesondere wenn einem der kalte Fahrtwind noch ins Gesicht bläst) und ging zum Busbahnhof. Ich hatte nicht wirklich eine Ahnung wohin ich müsste, also fragte ich mich durch und wurde in einen Kleinbus nach Moshi gesetzt. Ich fragte die Frau, die Tickets aushändigte, ob sie mich rauswerfen könne an der Abzweigung Richtung Flughafen. Wir fuhren eine Weile aus der Stadt raus und irgendwann passierten wir die Kreuzung, an der es zum Flughafen ging. Der Bus machte allerdings nicht die Anzeichen anzuhalten um mich rauszulassen, also fragte ich die nette Dame ob sie mich vergessen hatte. Sie erklärte mir dann, dass der Bus leider gerade nicht halten könne, weil der Motor ein Problem habe und sobald das Auto hält, würde es ausgehen und sie würden auf der Straße liegen bleiben. Deshalb wurde ich mit zur nächsten Ortschaft genommen, dort wurde der Motor wieder zum Laufen gebracht und ich wurde in einen brechend vollen Bus "gestellt", der mich zurück zur Kreuzung bringen sollte. Mit "gestellt" war in diesem Fall das Festkrallen an die offene Bustür gemeint, während ich hoffte, dass mich niemand von der letzten Busstufe auf die Straße stößt, weil er versucht sich im Bus zu bewegen. Nach sehr langen 7 Minuten Fahrt konnte ich von der Stufe ins Freie springen und da sah ich ihn zum ersten Mal... den Kilimandscharo, ausnahmsweise nicht von Wolken verdeckt, majestätisch über dem Land thronend. Schon ein beeindruckender Anblick, den 6000er mal aus der Nähe zu sehen und den schneebedeckten Gipfel zu bestaunen. Die letzten 2 Kilometer zum Flughafen, brachte mich dann ein Motorradfahrer mit dröhnenden Bob Marley Lieder aus seinem Pikiradio. Dort angekommen begann das warten, bis ich die Qatarmaschine aus Dar es Salaam endlich anfliegen sah. Nach einigem hoffen, dass Mutti mit dem Papierkram und den Immigrationofficern zurecht kommt, kam sie dann aus der Ankunfthalle. Selbst das -von mir nicht bedachte- Ebolaauskunftsblatt hat sie problemlos gemeistert :)

Nach der Begrüßung und dem Ablegen der deutschen Winterkleidung, machten wir uns auf den Weg zurück nach Arusha. Dort haben wir erstmal das Gepäck abgeladen und eine Kleinigkeit gegessen. Auch die typischen kleinen Teestände am Straßenrand durfte sie direkt am ersten Tag kennenlernen und am Abend ein Essen in einem kleinen Restaurant am Straßenrand. Da wir uns für den 17h Bus zurück nach Bukoba entschieden haben, mussten wir auch am nächsten Morgen wieder um 5 Uhr aufstehen und zum Busbahnhof wandern. Ich besorgte uns noch ein kleines Frühstück und los ging die Fahrt. In Tansania bekommt man bei jeder Station durch die Fenster Getränke, Süßigkeiten, Maiskolben und ähnliches angeboten, sodass man sich nicht sorgen muss, dass man verhungert. Im Bus kam sie auch direkt in Kontakt mit der tansanischen Gastfreundschaft, die Familie neben uns bot uns direkt mit einem Lächeln im Gesicht und einem freundlichen "karibu sana" ihr Brot an. So fuhren wir dann stundenlang durch das Land, entlang an kleinen Dörfern, Schafs-/Ziegenherden, Reisfeldern und Felsenlandschaften. Um 23 Uhr erreichten wir endlich Bukoba und nun stand uns der Weg zu mir nach Hause bevor. Ich rief Amadi, einen bekannten und vertrauenswürdigen Motorradfahrer an und bat ihn Mutti zu mir zu fahren. Sie stieg auf, er fuhr an und im nächsten Moment sah ich, (er leider nicht) den ohne Licht heran fahrenden Fahrradfahrer, den er kurzer Hand umfuhr und meine Mutti wie sie vom Motorrad absprang und auf dem Po landete. Ich hatte es in 5 Monaten nicht geschafft auch nur einen Beinaheunfall mitzuerleben, Mutti schaffte das an ihrem ersten Tag. Nach dem Staub abklopfen, konnte es allerdings ohne Probleme und Verletzungen weiter gehen. Nach der 10 minütigen (Amadi fuhr nun so langsam und vorsichtig, dass ich und mein Pikifahrer bald umgekippt sind ;)) Fahrt zu meinem Haus, kamen wir endlich an. 

Am nächsten Morgen habe ich Mutti das Büro, die Stadt und den See gezeigt. Sonntags hatte uns die liebe Nesta zu sich zum Essen eingeladen, Dienstag haben wir die Bembereza Schule in Rubya besucht. Die nächsten 2 Tage war Mutti aufgrund von Magen-/Darmbeschwerden außer Gefecht gesetzt und fristete ein Krankendasein bei Tee. 

Das Wochenende haben wir bei meinem Kollegen Justus verbracht, sodass Mutti mal das tansanische Familienleben kennenlernen konnte. Den Weg legten wir zurück mit dem Dalla Dalla, wir hatten außerordentliches Glück, denn das Dalla war für tansanische Verhältnisse nur zur Hälfte gefüllt. In Kagondo angekommen waren wir zusammen auf dem Markt, haben seine Felder besichtigt, die Jungs von der Schule abgeholt und seine Familie (Mutter, Geschwister) im Dorf getroffen. Nach einem gemütlichen Abend im Freien ging es recht früh ins Bett, da um 7.30 Uhr der Gottesdienst auf dem Plan stand. Nach der 2, 5 stündigen Messe sind wir wieder zu Justus und haben noch mit den Kindern gespielt und zusammen gefrühstückt. Am Nachmittag sind wir zurück nach Bukoba.

Gestern haben wir nach einem 1 stündigen Fussmarsch, den in meiner Nähe gelegenen Wasserfall besucht. Am Donnerstag treten wir erneut die Busreise an und fahren zurück nach Arusha. Dort werden wir noch Moshi besichtigen und eine 3-tägige Safari im Tarangire NP, dem Lake Manyara und dem Ngorongo Krater machen. Und Mittwoch bringe ich Mutti schon wieder zum Flughafen, die Zeit zusammen vergeht leider viel zu schnell...

Soweit erstmal der Urlaubs-/Besuchsbericht, den Rest werde ich natürlich auch noch nachreichen :)

Hier noch einige Fotos von unserer gemeinsamen Zeit...

Mutti und Justus' Sohn Ewald Joshua Ewald John Paul

Wir wünschen euch allen eine schöne Woche.

Grüße von Fabien & Uschi

"Man kann nicht jedem helfen..."

Freitag, 16.01.2015

Die Aussage „Man kann nicht jedem helfen" hat mich seit ich in Tansania bin regelmäßig begleitet. Manchmal ignoriere ich es einfach, weil mir das dagegen Anreden zu sinnlos erscheint, häufig macht es mich nur noch wütend, weil ich darin eine Grundhaltung entdecke, die mir widerstrebt.

Erst gestern durfte ich im Zeit Magazin lesen, dass viele Menschen in Deutschland nicht ständig mit Horrornachrichten aus aller Welt konfrontiert werden wollen. Sie wollen nichts wissen von Flut- oder Dürreopfern, sie wollen nichts über Ebola lesen und auch nicht über unzählige Tote durch den Kampf mit IS. Die Dame drückte es im Interview so aus: „Zum Beispiel hab ich die Zeitung aufgeschlagen oder den Fernseher angestellt und gedacht: Ogottogottogott, was ist hier bloß los?"

Statt die Realität als solche anzunehmen und zu reflektieren, wie es dazu kommt und was man dagegen machen könnte, proklamieren immer mehr "Weltfluchtmedien", man solle sich lieber mit selbstgekochter Marmelade, Treibholzgarderoben und dem selbstangelegten Balkongarten beschäftigen, um vor der Welt da draußen entfliehen zu können.

Soweit so gut mag man denken, klar Marmelade fetzt, Meditation ist hip und wer mag nicht gerne Wildkräuter im Salat... Es zeigt jedoch eine Entwicklung, die nicht gut zu heißen ist. Wir sind keine Kinder, die sich unter die Bettdecke verkriechen in der Hoffnung, das vermeintliche Monster unter dem Bett möge uns jetzt nicht mehr finden... Wer in einem Land wie Deutschland lebt kann diese "Realitätsverweigerung" leben, aber was wird aus all den Betroffen die Opfer der Horrornachrichten sind...

Der ein oder andere mag sich fragen, warum ich meinen Tansania-Blog nutze, um das Zeit Magazin zu rezitieren. Das ist kein Affront gegen selbstgekochte Marmelade oder ähnliches... mir geht es um ein Thema, das zu häufig vernachlässigt wird.

Die Kausalität zwischen unserem Konsumverhalten in Deutschland oder der westlichen Welt insgesamt und den Auswirkungen insbesondere im globalen Süden.

Um mein Anliegen zu verdeutlichen will ich einige Beispiele nennen:

- Fleischkonsum -

Gute Freunde beißen wahrscheinlich gerade in die Tastatur, weil sie erkennen müssen, dass ich selbst aus 7000 km Entfernung noch an den Fleischessern rumnörgle. Aber das Thema eignet sich einfach hervorragend, um die Kausalkette aufzuzeigen.

"Du isst meinem Essen das Essen weg", "Was isst man als Veganer überhaupt noch", "Warum machst du denn diese blöde Diät, Essen soll doch Genuss sein", "Wir reden in ein paar Monaten nochmal wenn du wegen Mangelerscheinungen im KH bist" und "Die Bibel erlaubt, dass wir Tiere essen". Diese Liste könnte ich noch unendliche Zeilen fortführen... das ist das tägliche Leben eines Veganers / Vegetariers. Aber nicht wegen der netten Vorurteile haben wir uns für ein solches Leben entschieden und auch nicht weil wir immer "anti" sind, ich gerade den Tierfreund in mir entdeckt habe und deshalb den anderen den Spaß verderben will oder Diskussionen liebe. Zumindest meine Beweggründe waren dann doch etwas tiefgründiger.

Einer meiner Beweggründe war, dass in Deutschland jährlich etwa 900 Millionen Tiere geschlachtet werden, auf der ganzen Welt sind es sogar ca. 56 Milliarden Tiere. Tiere, denen wir willkürlich das Label "Nutztier" aufgedrückt haben und sie somit unter unsere "Herrschaft" gebracht haben. Fast jeder geht auf einem Bauernhof umher und findet die Schweine, Kälber, Hühner, Ziegen und Schafe unfassbar süß. Keiner würde die Idylle zerstören wollen, indem man dem Kälbchen einen Pflock gegen den Kopf rammt oder dem Schwein seinen niedlich gekringelten Schwanz abschneidet oder den Hühnern den Schnabel versengt. Das sind allerdings die Umstände der Massentierhaltung in Deutschland. Einige werden sich entsetzt zurücklehnen und sagen, dass sie damit nichts zu tun haben. Kühlregale im Supermarkt sind voll mit günstigem Fleisch aus Massentierhaltung und selbst beim Metzger weiß man nicht woher die Kuh stammt. Nun denkt der ein oder andere: "ich kaufe aber Bio", nichtsdestotrotz werden die Tiere in kleinen Ställen gehalten und am Ende entscheiden wir darüber, dass es Zeit ist für sie zu sterben.

Die von mir beschriebenen Tiere werden mit Antibiotika und Hormonen vollgepumpt, um sie so schnell wie möglich so fett wie möglich zu bekommen. Sie sehen nie in ihrem Leben Tageslicht, sie hausen zusammen gepfercht in dunklen Hallen, sie werden in so kurzer Zeit fett, dass ihre Muskeln und Gelenke sie nicht mal tragen können. Sie leben in ihren eigenen Exkrementen und durch diese Umstände werden sie so aggressiv, dass es zu Attacken auf die anderen Tiere kommt. All das um unseren "Hunger" auf Fleisch zu befriedigen. Wer sich ein Bild über die Zustände der Fleischproduktion machen möchte, sollte sich den kostenlosen Dokumentarfilm "Earthlings" (http://earthlings.de) ansehen.

Aber nicht nur aus diesen Gründen kann ich kein Fleisch mehr essen und verzichte auf tierische Lebensmittel, sondern auch, weil die Folgen unserer Konsumentscheidungen noch viel weitreichender sind. Durch die Massentierhaltung steigt zum Beispiel der Nitratgehalt im deutschen Trinkwasser. Eine Entwicklung, die nur in Schach zu halten ist, indem wir die von den Tieren erzeugte Gülle im Ausland abladen. Aber jedem dürfte einleuchten, dass das Problem dadurch nicht behoben ist, sondern nur verschoben wurde. Für die Tierhaltung werden täglich unzählige Hektar Regenwald gerodet oder ohnehin nicht gerade sehr wohlhabende Menschen im globalen Süden geben ihr Land an Großgrundbesitzer ab, die dann dort die Monokulturen (Soja, Mais,...) für die Fleischproduktion anbauen (98% der weltweit angebauten Sojaerzeugnisse werden an Tiere verfüttert, während 805 Mio. Menschen weltweit hungern!). Monokulturen laugen die Böden aus und zerstören sie letztendlich. Etwa 65% der Treibhausgase stammen von den Tieren der Fleischindustrie. Damit nicht genug, die Produktion von 1kg Rindfleisch erfordert zudem einen Wassereinsatz in der Höhe von 15.415 l. (http://virtuelles-wasser.de/fleisch.html). Wenn man bedenkt, dass es in vielen Ländern der Welt nicht mal den Zugang zu fließendem Wasser gibt (einige meiner Mitfreiwilligen und mein Kollege haben in ihren Häusern kein fließendes Wasser), muss man sich fragen, ob wir weiterhin Fleisch essen sollten.

Aber auch der Konsum von Eiern, Milch und Käse ist nicht weniger bedenklich. So werden die kleinen Hähne direkt nach der Geburt vergast oder in den Häcksler geworfen, weil man sie in Deutschland nicht "gebrauchen" kann. Milchkühe werden direkt nach der Geburt eines Kalbes erneut künstlich befruchtet (mehrfach im Jahr), sodass wir schön frische Milch im Kühlschrank haben oder Käse aufs Brot schmieren können. Das besagte Kalb wird nach kurzer Zeit von der Mutter getrennt, dass es nicht "unseren weißen Schatz" aufbraucht und zu einem Sonntagsbraten verarbeitet.

Aber nicht nur durch unsere Nahrungsentscheidungen leidet der Planet, auch die Wahl unserer Kleidung (Leder, Wolle,...) oder die Wahl unserer Kosmetikartikel (die großen Firmen arbeiten fast alle mit Tierversuchen) hat Einfluss auf unsere Umwelt und auch dadurch leiden und sterben Tiere.

In Deutschland werden jährlich mehrere Mio. Tonnen an noch genießbaren Lebensmitteln in den Müll geworfen, darunter Unmengen an tierischen Produkten. Solange es auf der Welt Mütter gibt, die ihren Kindern nicht mal eine Schüssel trockenen Reis servieren können, dürfen wir unser Konsumverhalten nicht unbedacht weiter führen.

Es gibt wunderbare vegetarische und vegane Gerichte, man leidet nicht an Mangelerscheinungen wenn man ausgewogen isst und entsprechend einiger neu publizierter Studien handelt es sich zudem um die gesündeste Ernährungsform. (The China Study,http://de.wikipedia.org/wiki/The_China_Study). Ich will damit nicht sagen, dass durch vegetarische oder vegane Lebensweise von heute auf morgen alles gut wird, es ist nur ein kleiner Schritt in die richtige Richtung und für einige vielleicht ein Anfang.

 - virtuelles Wasser / ökologischer Fußabdruck -

Ein weiterer wichtiger Punkt ist virtuelles Wasser. Das bedeutet, dass wir unseren alltäglichen Wasserverbrauch (Duschen, Toilettenspülung, Kochen,...) nicht auf dieses Maß herunterbrechen können, sondern wir immer im Blick behalten sollten, wie viel Wasser und Energie bei der Erzeugung von Konsumgütern eingesetzt wurde. Wie ich bereits angedeutet habe ist die Fleischindustrie eine besonders wasserintensive Industrie, aber auch alle anderen Lebensmittel die wir kaufen wurden unter Einsatz von Wasser erzeugt. Durch die Reduktion unseres Konsums und bewusstere Kaufentscheidungen können wir viel Wasser sparen, aber auch unseren ökologischen Fußabdruck verringern.

Das geht recht einfach durch kleine Veränderungen: Fahrrad fahren statt mit dem Auto, saisonal und regional einkaufen, Bioprodukte nachfragen, Ökostrom beziehen, CO2 Kompensation für Kerosinausstoß beim Fliegen und und und...

 - Plastiktüten / -verpackungen -

Mein nächster Punkt bezieht sich auf den von uns erzeugten Plastikmüll. Bei Rewe, Aldi, Lidl und in jedem Geschäft in Deutschland liegen sie haufenweise an der Kasse...die Plastiktüten! Sie haben eine durchschnittliche Gebrauchszeit von ca. 15-30 Min und danach eine etwa 100 jährige Lebensdauer als unzerstörbarer Müll. So treiben inzwischen Müllkontinente in unseren Meeren. Die Fische nehmen den Müll auf, verenden elendig oder wir bekommen den Plastikmüll in Form von Mikroplastik über den Fischkonsum wieder auf den Teller.

Statt zur ewiglebenden Plastikvariante zu greifen sollte man sich die Mühe machen und Naturkörbe oder Stoffbeutel mit zum Einkauf zu nehmen oder gar kleine Startups wie zB. "unverpackt" in Berlin, Kiel und anderen Städten unterstützen. Der ganze Müll zerstört unseren Planeten und wir haben nur einen! Experten haben 2013 errechnet, dass für den Lebensstil des Westens eine Erde nicht ausreicht, wir benötigen für den jetzigen Lebensstil Ressourcen von 6 Erden.

 - Kleidungsindustrie -

Jeder kennt es, dass man eine schöne Jacke bei Mango oder Zara entdeckt und denkt man will sie unbedingt haben. Leider bedenkt kaum einer, wie viel Wasser verwendet wird für den Anbau von Baumwolle. Oftmals hängt der Kleiderschrank voll mit Shoppingleichen, Dingen die wir gekauft haben und doch nicht tragen. Wenn ich erzähle, dass ich im Second Hand Laden einkaufe, belächeln mich die meisten Menschen als wäre ich ein wasserpfeiferauchender Hippi. Dass für die Färbung von Kleidungsstücken Chemikalien verwendet werden, die offensichtlich nicht gesund und gut sein können, wird häufig bedenkenlos missachtet und dass die Arbeitsbedingungen bei der Herstellung menschenunwürdig sind, löst auch keine große Schockwelle mehr aus.

Die Altkleidercontainer von DRK oder anderen Anbietern sind voll bis zum Umfallen. Leider wissen nur wenige was mit den gesammelten Kleidern geschieht. Man mag denken, man spende für die Armen (auch für Menschen in Tansania), mit den Altkleidern wird indes ein riesen Geschäft gemacht (http://www.zeit.de/2011/45/NDR-Reportage-Altkleider-Luege/seite-2). Hier bekommt niemand die Kleider geschenkt, die Menschen müssen sie hier für nicht wenig Geld kaufen. Nebeneffekt dieser Altkleiderspende ist, dass insbesondere in Tansania die Textilindustrie vor die Hunde ging und unzählige Menschen arbeitslos wurden. Jeden Tag sehe ich die unzähligen Säcke voll Altkleider aus Deutschland und frage mich, weshalb die Menschen die noch völlig unversehrten Kleider aussortiert haben.

Aber Kleider kaufen geht auch mit gutem Gewissen und fair. Es gibt vegan erzeugte Kleidung, Marken, die sich um faire Arbeitsbedingungen kümmern, und unzählige Shops, die auf diesen Markt drängen. Die Kleider sind teurer, das will ich nicht leugnen, aber der Rest ist nur so billig, weil wir mit unserer Nachfrage den Preis drücken und uns die Bedingungen der Entstehung nicht wirklich kümmern. Wenn wir statt 5 T-Shirts nur 2 kaufen und statt 4 Paar Billigschuhen ein wirklich gutes und fair produziertes kaufen, haben wir alle nichts an "Wohlstand" eingebüßt. Ewiger Wachstum wie man es in Deutschland gerne hätte ist eine Utopie, wir müssen zurück finden zu einem maßvollen, nachhaltigen Konsum.

 - Handys / Computer -

In Deutschland besitzt fast jeder Mensch ein Handy, Smartphone und einen PC. Dies ist häufig für das Arbeits- /Studenten- /Privatleben unerlässlich. Leider fragen sich nur sehr wenige Menschen, was in ihren Geräten verbaut wurde und wo die verbauten Erzeugnisse herkommen.

Ich muss gestehen, dass habe ich auch lange nicht hinterfragt und hatte keine Ahnung was in meinem Handy so alles drin steckt. Hier kam ich durch Basti dann an eine Dokumentation zum diesem Thema. In unseren Handys werden Mikroprozessoren verbaut für die man Coltan benötigt. Coltan ist ein Erz, das unter anderem im östlichen Kongo vorhanden ist. Im Kongo herrschte über 2 Jahrzehnte ein schrecklicher Bürgerkrieg, unter anderem waren die Coltanmienen immer wieder Mittelpunkt der Auseinandersetzung. Leider schreckte das die Handyhersteller nicht ab weiterhin im Kongo das Coltan einzukaufen. In jedem unserer Handys steckt bildlich gesprochen eine Menge Blut. Die jungen Kongolesen, die in den Mienen arbeiten, wissen zum Teil nicht mal was sie eigentlich abbauen und erhalten für die in körperlicher Schwerstarbeit abgebauten Coltanmengen nur einige Dollar, während das Kilo am Weltmarkt mehrere tausend Dollar einbringt.

Durch unsere Nachfrage nach ständig neuen, besseren und schnelleren Handys fördern wir die Ausbeutung und indirekt auch den Bürgerkrieg im Kongo. Es gibt inzwischen ein kleines niederländisches Unternehmen das ein sogenanntes "Fairphone" (http://www.fairphone.com) produziert. Hierbei handelt es sich um ein Telefon das produziert wurde ohne bspw. Blutcoltan aus dem Kongo zu verwenden.

 

Ich hoffe meine Beispiele verdeutlichen, wie unsere Konsumentscheidungen die ganze Welt beeinflussen. Wir müssen nicht alle ein Auto haben und nicht jeder muss selbst eine Kamera kaufen. Unsere Gesellschaft sollte mehr teilen, tauschen und sich gegenseitig unterstützen. Man kann problemlos Tramper mitnehmen, denn in Deutschland sitzen durchschnittlich 1,3 Menschen in den Autos. Wir können Essen, das wir nicht mehr benötigen, auf Foodsharing Homepages (foodsharing.delebensmittelretter.de) anbieten und abholen lassen.

 In der Philosophie wurde mal bei Überlegungen zum Thema "Staat" eine interessante Idee angebracht: Man müsste eine Gruppe von Menschen zusammen an einen Tisch bringen, diese sollten sich überlegen in was für einem Staat sie leben wollten. Allerdings sollten diese Überlegung in dem Unwissen stattfinden, welchen Teil der Gesellschaft man später einnehmen wird. Man wüsste nicht, ob man zu den Gewinnern und Verlierern des Systems zählt. Denknotwendiger Weise würde es in einem solchen System keine Benachteiligten mehr geben, weil jeder befürchten müsse, er zähle zu dieser Gruppe. Somit würde man bei der Konstruktion eines "Staates" darauf achten, dass es allen Menschen gleich gut geht, niemand in Armut leben muss, keiner willkürlicher Gewalt und Benachteiligung ausgesetzt ist... ich bin der festen Überzeugung, dass etwa 6 Milliarden Menschen auf unserem Planeten die Karten gerne neu mischen würden und sich mal an diesen Tisch setzen und das System verändern. Leider haben sie nicht die Möglichkeit dazu weil es für den Rest (die westliche Welt) Abstriche bedeuten würde...

Man darf sich in einem Land wie Deutschland nicht hinter "Marmelade kochen, Treibholzgarderoben und Wildkräutern" verstecken, sondern man sollte sich eingestehen, dass unsere Konsumentscheidungen Menschen in der ganzen Welt Schaden zufügen und deren Umstände verschlimmern. Sätze wie "Man kann nicht jedem helfen" sind meines Erachtens völlig falsch, denn wir haben alle jeden Tag die Möglichkeit zu helfen, es bedarf nur etwas Elan, Aufwand und Verantwortung bei unseren Konsumentscheidungen.

 

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